Da ich ja nun mal freigeschaltet bin, dachte ich, dass ich vielleicht auch was schreiben sollte – auch deswegen, weil ich mich wirklich freuen würde, wenn es auch wieder ein deutsches Forum gäbe, in dem zumindest hin und wieder jemand was schreibt. Jetzt, wo die Tour vorbei ist, ist das natürlich ein bisschen schwierig, da es ja nichts Neues mehr gibt. Aber gerne schreibe ich noch was über die drei Konzerte, die ich in Deutschland gesehen habe. Vielleicht finden sich ja noch ein paar, die auch noch ihre Eindrücke von den Konzerten schildern möchten.
Dinslaken
Für mich war es eine Art Kulturschock, als ich die location gesehen habe, bei meinem letzten Konzert in Italien in Turin (zugegebenermaßen de größte Halle in Italien) waren 18.000 Leute da, hier waren es ein paar Hundert. Das Burgtheater an sich sehr schön; wenn das Wetter besser gewesen wäre, wäre es noch schöner gewesen (immerhin hat es während dem Konzert nicht geregnet!), aber eben sehr klein und nur zur Hälfte gefüllt. Vor der Bühne ein paar Leute, neben gar keine, in der Mitte vielleicht drei Reihen, auch die Sitzplätze fast zur Hälfte leer. Das Positive bei diesen Konzerten in Deutschland ist natürlich, dass man, wenn man früh genug da ist, problemlos einen Platz in der ersten Reihe ziemlich zentral bekommt, das ist in Italien, vor allem bei den großen Konzerten, nicht immer gegeben.
Das Konzert war nicht schlecht (ich habe eigentlich noch nie ein wirklich schlechtes Konzert von Gianna gesehen), aber auch nichts Besonderes. Gianna hat sich hier auch ganz gut der Situation angepasst und hat nur selten das Mikro ins Publikum gehalten (z. B. „bello e impossibile“ ist auch in Deutschland kein Problem), was auf der anderen Seite etwas schade ist, denn diese Interaktion mit dem Publikum macht (jedenfalls für mich) ein Großteil der Faszination der Gianna-Konzerte aus, in Italien lässt sie manche Lieder (z. B. „Amandoti“, das sie an diesem Abend aber auch nicht brachte) zur Hälfte vom Publikum singen.
Was mich wieder faszinierte, war, wie es Gianna immer wieder gelingt, auch mit einem solchen eher mittelmäßigen Konzert, ein Publikum zu begeistern, auch wenn es am Anfang größtenteils eher etwas reserviert war. Mit der Zeit kamen immer mehr Leute von den Sitzplätzen runter zur Bühne, am Ende standen wir dann doch dicht gedrängt, und es gab nicht endenden Applaus. Trotzdem war nach ca. 80 Minuten schon Schluss, das war schon sehr kurz, aber man muss sagen, dass wohl keines dieser Konzerte der Sommer-Tournee länger als 90 Minuten ging, auch das Abschlusskonzert in Bolgheri am Wochenende nach den Deutschland-Terminen nicht, sie hat uns also hier in Deutschland nicht etwa benachteiligt, vielleicht musste sie nach der langen Tour wirklich ihre Kräfte ein bisschen einteilen.
Winterbach
Ganz andere Voraussetzungen, das Zelt sehr gut gefüllt, schon von Beginn an Stimmung auch von weiter hinten, und das ist genau das, was ein gutes Gianna-Konzert braucht, da schaukeln das Publikum und Gianna sich gegenseitig hoch, und Gianna läuft zu großer Form auf. Gianna wurde etwas übermütig, ich weiß nicht, was sie sich dabei denkt, bei Textstellen wie „che qui scomparirà“ (aus „Perfetto) oder „e una canzone ritorna a prendermi“ (aus (Perché“) das Mikro ins Publikum zu halten, sie sollte sich eigentlich denken können, dass es in Deutschland nur eine Handvoll Fans gibt, die das mitsingen können… Also besonders laut mitgegrölt, damit man überhaupt was hört… Aber hat Spaß gemacht! Und anders als in Dinslaken kam als zweite Zugabe noch „Sei nell’anima“ mit einem gaaaaanz langen Schluss, ganz viele „goccia a goccia“ und „fianco a fianco“, bei denen dann, anders als in Italien, die Band wieder eingriff, ich war restlos begeistert! (wie ich gehört habe, hat sie das zumindest auch in Tuttlingen so gebracht). Das Konzert war um Längen besser als das in Dinslaken, danke, Gianna!
Danach noch zweieinhalb Stunden Rückfahrt nach Hause, einen halben Tag gearbeitet, und ab nach
Bonn
Auch hier fühlte es sich einigermaßen voll an, wenn man auch von der ersten Reihe aus nicht unbedingt den Überblick hat… Offensichtlich hatte der deutsche Sommer Gianna irgendwie zugesetzt, sie verbrauchte eine Unmenge an Taschentüchern, zog sich zwischendurch auch Medizin rein, und hin und wieder hatte sie leichte stimmliche Probleme. Trotzdem legte sie sich wieder mächtig ins Zeug und brachte ein gutes Konzert – allerdings waren wir uns gegen Ende einig: nicht so gut wie Winterbach.
Dann folgten aber noch zwei Höhepunkte. Zwischen Wasser und Medizin hatte sie auch Sekt getrunken, vielleicht löste der ihre Zunge, eingeleitet durch den Satz „Ich spreche ein bisschen Deutsch“ sprudelte ein langer Mischmasch aus Deutsch und Italienisch aus ihr hervor, von dem nicht alles wirklich zu verstehen war, aber es war sehr unterhaltsam… Ich glaube, ich habe Gianna auf der Bühne noch sie so viel reden gehört. Und dann die Bandvorstellung! Für fast jeden stimmte sie ein Lied an: für den neuen Gitarristen, der aus Sizilien stammt, ein sizilianisches Volkslied, für Luca Scarpa aus Turin, „fast aus Frankreich“ :D „Le déserteur“ (Monsieur le président – das ist das Lied, das sie auch damals bei der Greenpeace-Aktion auf dem Balkon der französischen Botschaft gesungen hat), für Francis Hylton „No woman, no cry“ und für sich selbst ein Lied aus ihrer Contrada in Siena. Wow! Diese Sondereinlagen neben dem üblichen Programm sind für mich immer absolute Highlights!
Das Konzert endete wieder mit „Meravigliosa creatura“, also kein „Sei nell’anima“ mehr :( (bei einem Konzert in Italien undenkbar, dass sie dieses Lied nicht bringt…)
Setlist
Zur Vervollständigung noch eine Übersicht, welche Titel sie bei den drei Konzerten gesungen hat:
bei allen drei Konzerten (nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge):
Rock 2, Mi ami, Io, Profumo, Io e Bobby McGee, Volare, Perfetto, Perché, Ogni tanto, I wanna die 4 you, Dimentica, America, ein Medley aus Volo/Scandalo/Latin Lover/Fotoromanza/Bello e impossibile, I maschi, Primadonna, Meravigliosa creatura.
“America” wie schon auf der italienischen Tour am Anfang (seltener: am Ende) mit einer auf der Geige gespielten etwas schrägen und verzerrten Version der italienischen Nationalhymne – bei jedem Konzert eines der Highlights!
bei einem oder zwei der Konzerte:
Amandoti, Sei nell’anima, Contaminata, Un’estate italiana
